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All-In-One zum Anfassen: MSI Wind Top AE2010

January 12, 2010 Hardware, Testberichte View Comments

Es ist interessant zu beobachten welche Entwicklung PC Formfaktoren in den letzten zwanzig Jahren durchgemacht haben. Wir hätten uns 1990 kaum an einem Beige-lackierten Bigtower aus dünnem Stahlblech gestört. Die Taktung des Hauptprozessors würde stolz auf der Front prangen und in den wachen Stunden des Rechners munter vor sich hin leuchten. Mit dem durch die Internetrevolution der späten Neunziger beschleunigten Siegeszug von Heim-PCs, haben sich auch die ästhetischen Ansprüche gewandelt. Wer möchte schon das aufwendig eingerichtete Wohnzimmer mit klobiger Hardware verunstalten? Ähnliche Überlegungen sind der Grund dafür, dass man in Verkaufs- und Beratungsräumen immer öfter auf PCs trifft, die sich auf den ersten Blick eher als Designobjekt denn als Nutzwerkzeug präsentieren.

Die Vorreiter in diesem Bereich stellen Media-PCs und All-In-One Rechner dar. Erstere sind meist so gestaltet, dass sie sich unauffällig ins HiFi Rack – neben DVD Spieler und Verstärker – einreihen und das Fernsehgerät zur Bildausgabe nutzen. All-In-One PCs stellen dagegen vollwertige Rechner dar, die flexibel nutzbar sind und dabei über einen eingebauten Bildschirm verfügen. Mac Fans werden in diesem Segment, seit der Rückkehr von Firmengründer Steve Jobs und dem damit einhergehenden Einzug der iMac Produktlinie, vielfältig bedient. Um die Auswahlmöglichkeiten für Windows Benutzer war es in den letzten Jahren weniger gut bestellt. Mit der breiten Verfügbarkeit von energiesparenden Prozessoren schickt sich eine Reihe von PC Herstellern an, Windows Benutzer ebenfalls in den Genuss der praktischen Rechner mit eingebautem Monitor und Lautsprechern kommen zu lassen.

All-In-One PC mit Touchscreen

MSI schickt mit dem Wind Top AE2010 ein Modell mit 20″ Monitor im filmfreundlichen 16:9 Format ins Rennen. Die Kombination aus PC und Display ist in einem umlaufenden Plexiglasrahmen eingebettet. Gemeinsam mit den aus dem Rahmen geformten Standfüßen, erinnert das Erscheinungsbild an die frühen Apple Cinema Displays.

Der erste Blick
Die Monitorauflösung von 1600 * 900 Pixel bietet viel Platz zum Websurfen und zur Dokumentenverarbeitung. Im Inneren werkeln gleich zwei Prozessoren in Form eines AMD Athlon X2 3250e – ein energiesparendes Zwei-Kern-Modell. Bei aller Sparsamkeit rechnen die beiden Prozessoren merklich schneller als ein Intel Atom Duo. Eine mit 2GB ausreichend bemessene Arbeitsspeicherkapazität sorgt dafür, dass man auch bei mehreren geöffneten Programmen und Anwendungen im Hintergrund nicht mit einer Verlangsamung des Systems rechnen muss.

Grafikchipsatz für Videofans
Der Grafikchipsatz stammt vom AMD-hausinternen Grafikspezialisten, der Tochterfirma ATI. Es handelt sich dabei um eine sogenannte integrierte Grafikkarte. Bei einem All-In-One PC, bei dem alle Komponenten “integriert” sind, ist der Begriff etwas irreführend. Integriert ist die Grafikkarte in dem Sinn, dass sie über kaum eigenen Speicher verfügt, sondern sich am Arbeitsspeicher des PCs mitbedient. Im Fall des MSI Wind Top AE2010 bringt der ATI Radeon HD3200 Chipsatz 128MB eigenen Speicher mit und bedient sich in der Standardeinstellung mit 256MB am Arbeitsspeicher. Das hat unter anderem zur Folge, dass sie langsamer läuft als ein PC mit dedizierter Grafikkarte. Positiv an der ATI Radeon HD3200 fällt auf, dass sie die Darstellung von HD Videoinhalten unterstützt. Sie entlastet die Prozessoren bei der Dekodierung, d.h. Umwandlung des Videodatenstroms in darstellbare Pixel und Farben. Beeindruckend: Im Test spielte der MSI Wind Top AE2010 HD Videos von YouTube und Vimeo ruckelfrei ab.

Monitor zum Anfassen
Der Monitor dient nicht nur zur Ausgabe sondern fungiert auch als Eingabemedium. Bei dem 20 Zöller handelt es sich um einen vollwertigen Touchscreen, vergleichbar mit dem eines iPhones. Berührt man die Oberfläche mit dem mitgelieferten Stylus oder einem Finger, kann man ähnlich wie mit einer Maus Fenster verschieben und in ihrer Grösse verändern. Bei einem Klick in ein Textfeld, öffnet das mitgelieferte Windows 7 eine Tastaturanzeige über die sich Texteingaben vornehmen lassen.

Texteingabe per On-Screen Tastatur

Die Idee einen kompakten All-In-One PC mit großem Bildschirm mit einer Touchscreen-Oberfläche auszustatten ist gut. Die Steuerung von Medienbibliothek und Musikwiedergabe per Fingerzeig macht Spaß. Die Erkennung ist präzise genug für große Icons. Die Schwächen bei der Umsetzung fallen erst auf, wenn man als iPhone-verwöhnter Benutzer Multitouch-Gesten ausführen möchte. Diese werden nämlich nicht unterstützt, so ist es z.B. nicht möglich mit zwei Fingern die Grösse eines Fotos zu verändern. Es ist schwer kleine Anzeigeelemente präzise zu treffen – das gilt auch für die Bedienung mit dem Stylus. Zudem scheint die Berührungserkennung im Zentrum des Displays besser zu funktionieren als in den Randbereichen. Dieser Eindruck hat sich auch nach mehrfacher Neukalibrierung durch die Windows 7 Tablet PC Einstellungen bestätigt.

Ausstattungsmerkmale

DVD Brenner im Bildschirm

Die 500 GB Speicherkapazität der eingebauten Festplatte bieten reichlich Platz für die Musik-, Video- und Fotokollektion. Über einen eSATA Steckplatz können externe Festplatten mit hoher Datenübertragungsrate betrieben werden. Weitere Massenspeicher und USB Speichersticks finden über einen der 6 USB 2.0 Ports Anschluss. Zwei der USB 2.0 Steckplätze sind gut zugänglich an der linken Seite des Bildschirms angebracht. Sie teilen sich den Platz hinter dem Monitorrahmen mit dem eingebauten DVD Brenner und einem praktischen Multifunktionskartenleser.

Der MSI Wind Top AE2010 kann über den VGA Anschluss auf der Rückseite einen zweiten Monitor mit Bildsignalen versorgen. Überraschenderweise bietet er auch einen VGA Eingang. Damit lässt sich der Bildschirm als separates Anzeigegerät – z.B. für ein Notebook – verwenden. Im Netzwerk ist der flache Rechner flott unterwegs. Drahtlos funkt er nach dem schnellsten Standard IEEE 802.11n, über Ethernetkabel darf die Kommunikation 1 Gigabit/s schnell sein.

Eine über dem Bildschirm im Rahmen eingesetzte Webcam mit 1,3 Megapixel macht aus dem MSI Wind Top AE2010 einen kompakten und schönen Allzweck PC, der ohne weitere Komponenten Komponenten auskommt.

Auf einen Blick

Besonders gefallen haben uns

  • Platzsparendes Design mit stabilem Standfuß
  • Vielfältige Anschlussmöglichkeiten, inkl. VGA Eingang
  • Multifunktions-Speicherkartenleser für Flash-Medien
  • Netzwerkunterstützung für WLAN und Gigabit

Verbesserungswürdig

  • AM2 Mainboard könnte auch stärkeren Prozessor unterstützen , z.B. AMD 4850e
  • Kein Bluetooth Nahbereichsfunk
  • Mehr Arbeitsspeicher würde sowohl der Grafik- (doppelte Speicherbandbreite) als auch Systemleistung zugute kommen (der MSI Wind AE2010 unterstützt bis zu 4GB)

Fazit

Anschlussvielfalt inkl. VGA Eingang und eSATA

Der MSI Wind Top AE2010 stellt einen kompakten PC für Office Aufgaben und zum Websurfen dar. Obwohl er dem gelegentlichen Spiel nicht abgeneigt ist, liegen seine Stärken klar in den anderen Bereichen. Mit einem “Crysis” sollte man den flachen MSI nicht konfrontieren, bei “World of Goo” verbreitet er schon wesentlich mehr Freude – auch per Touch-Bedienung. Die Eingabe per Fingerzeig funktioniert gut, solange man große Objekte auswählen möchte. Aufgrund der Erkennungsschwächen bei kleineren Anzeigelementen, kann sie nicht Maus und Tastatur ersetzen.

Dank des sparsamen Prozessors kommt der Rechner mit einem langsam drehenden Lüfter aus. Die Kühlkomponenten halten sich auch bei hoher Belastung (simuliert mit dem Primzahl-Suchprogramm Prime 95) eher im Hintergrund. Obwohl der Arbeitsspeicher mit 2GB zum Standard für  sparsame PCs zählt, hätte dem MSI Wind Top AE2010 die doppelte Menge gut getan. Wer sich oft dabei ertappt viele Anwendungen parallel zu betreiben bzw. den Webbrowser mit vielen Fenstern und Tabs überlädt, tut gut daran dem Kompaktrechner weitere 2GB zu spendieren.

MSI bietet mit dem Wind Top AE2010 einen guten Heim-PC im attraktiven Design an. Als All-In-One Modell ist er nicht mit internen Komponenten erweiterbar, bleibt dafür kompakt und bietet vielfältige Anschlüsse für externe Hardware. Die Touchbedienung kann als zusätzliches Gimmick gefallen. Gepaart mit dem günstigen Preis und der höheren Leistungsfähigkeit gegenüber energiesparenden PCs mit Atom Prozessoren der ersten Generation und integriertem Intel-Grafikchipsatz, gehört der Blickfang in die engere Wahl.


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Dieser Artikel wurde von mustafa verfasst.

  • mussdatsein
    Das Teil gefällt mir und zum Surfen im Netz ideal.
    Erstaunt bin ich über das Design,wird bei den Teilen von Jahr zu Jahr besser.
  • TheAbbot
    Sehr guter Testbericht,

    Ich habe bis heute auch immer gedacht, das die Teile zu nix taugen, aber nun habe ich aufgrund des hier vorgestellten Artikels eine sehr gute Vorstellung von solchen All-In-One Geräten und kann meiner Frau jetzt getrost so ein Gerät für Ihre Zwecke erwerben.

    Vielen Dank für den detailreichen Einblick!!!
  • Schmidt
    Hey wow,
    das ist ja ein cooles Gerät! Von diesen All-In-One Geräten war ich eigentlich nie wirklich überzeugt, konnte nie erklären warum, aber jetzt bin ich im Bilde :-)
    Allerdings habe ich vorher noch nicht so einen fundierten, guten Artikel zu dem Thema gelesen.
    Viele Dank!
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